Reise durch die Welt der Liebe

März 6, 2010  |  blog  |  No Comments

Am Donnerstagabend erhielt das Publikum im Meidelstetter Adler auf einer “Studienreise in erogene Klimazonen” einen kurzweiligen kabarettistischen Nachhilfeunterricht in Sachen Liebesglück.

Anlässlich des “IV. Internationalen Kongresses für Sexualforschung und Sexualpsychologie” wurden die Gäste im Meidelstetter Adler auf eine Reise in erogene Klimazonen entführt. “Professorin” Olga Lomenko und deren “Assistent” Dimitrij Sacharow nahmen dabei kein Blatt vor den Mund. Obwohl die beiden Talente meisterlich verstanden, das Gefühlsbarometer im gut besuchten Adler kräftig steigen zu lassen, blieben sie auf ihrer Reise souverän oberhalb der Gürtellinie.

Mit viel Ironie und Klischee, gemischt mit Fantasie und Feingefühl, spürt das in Deutschland weit bekannte und mit glanzvollen Trophäen ausgezeichnete Duo den unterschiedlichen Lebens- wie Liebeswelten in aller Herren Länder und aller Frauen Lenden nach. Dimitrij karikierte dabei in vorzüglicher Weise den etwas hilflos-trotteligen, manchmal quirligen, dann wieder verschlafenen Professoren-Assistenten. Mit Bravour aber begleitete er seine “Professorin” bei deren polyglotten Musikeinlagen auf dem Klavier.

So wurde zunächst der Amerikaner in seiner Bigotterie, seinem aufgeblasenen Rolls-Royce-Gebaren, aber auch seinem Leben in völligen Gegensätzlichkeiten zwischen James-Dean-Verehrung und Pfadfinderleidenschaft ordentlich an den Pranger gestellt. Schon auf der nächsten Station der Forschungsreise wurde in Spanien Halt gemacht, um voller Ironie festzustellen, dass 70 Prozent der Männer Machos sind, 30 bis 40 Prozent als Muttersöhnchen gerne bei Mama wohnen, weshalb die Geburtenrate am niedrigsten sei (”adios Embrios”) und dass die spanische Frau den Stierkampf reichlich satt hat.

Olga wusste das Publikum zu nehmen und natürlich besonders die Männer. Die nahm sie auf ihrer lustvoll-kurzweiligen Reise besonders gerne aufs Korn; und das nicht immer nur schmeichelhaft und liebevoll. Ganz klar stellte sich dabei aber heraus: Leidenschaftlicher als der Russe kann niemand lieben – Ein echter Kerl, der seiner Frau in den Pelzmantel hilft, damit er selbst nicht den Schnee schippen muss; einer, der ihr die Hand küsst, damit seine Wodkafahne ihr nicht in die Nase weht. Aber verwirklichen sich in der Nacht seine kühnen Träume vom wild reitenden Kosaken? In Japan – der nächsten Station der wissenschaftlichen Studienreise – wurde auch mit geheimsten Gedanken nicht Versteck gespielt – dort nämlich sind die Wände reis-dünn, weshalb sich die Frage aufdrängt, wie sich ein japanisches Paar vergnügen kann, ohne dass die Nachbarn gleich Applaus klatschen. Mit Witz gemischt erfährt man den Japaner als wahren Samurai, der seiner Frau brav den Müll runterbringt und ihre Libido mir “Reiki”-Übungen bändigen muss, damit die dünnen Wände nicht zusammenbrechen. Endlich – und natürlich mit Spannung erwartet – ging die erogene Reise auch durch Deutschland. Doch, o weh, im Land der Dichter und Denker gleichen männliche Gesichter eher einer “Faltengrübellandschaft”, weil “man” sich darüber zergrübelt, wie “es” ihr gesagt werden soll. Und während der deutsche Mann im Kopf die Beziehung bis Punkt 21 durchgegangen ist, endete diese eigentlich schon bei Punkt 1, dem gefürchteten Korb. Und so sind die Deutschen – obwohl Erfinder der “blauen Blume” und der Romantik – in der Liebe am liebsten unglücklich.

Mit den zarten Klängen von “Lass es Liebe sein” sorgte Olga anschließend für Gänsehautstimmung. Mit dem Franzosen als wahrhaftigem Genießer ging die Reise auf ihre letzte Station, um zugleich auch mit amourösen Klischees über ihn zu brechen. Dass das Putzen im “Adamskostüm” Spaß machen kann und sich dabei so manches bewegt, vermittelte die Künstlerin auf erotische Weise. Jetzt erst zog Olga auch die letzten Register feinsten Kabaretts und offenbarte sich als Allroundtalent, das auf der Bühne zuhause ist. Denn während Tanz und Gesang fielen – endlich – und doch unerwartet überraschend, temperamentvoll-leidenschaftlich, so manch überflüssige Hüllen der üppig-fraulichen Gestalt Olgas auf den Bühnenboden, während manche Blicke – natürlich ganz verstohlen und heimlich – vom klavierspielenden Dimitrij auf ganz andere Zonen fielen. Wie ein Feuerwerk, das die beiden anlässlich einer “Wiederverheiratung” eines Ehepaars aus dem Publikum zündeten, endete das zweistündige Programm vor einem überaus begeisterten Adler-Publikum: heiß, farbenfroh, facettenreich und gefühlsbetont. Eine Delikatesse gelungenen Kabaretts.

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Iryna Bondarenko

März 6, 2010  |  Kontorsion  |  No Comments

Die wundersame Geschichte eines zierlichen Mädchens, das der Hässlichkeit und Grobheit zu entkommen versucht. Sie flieht in ihr inneres Meer bunter feiner Blumen und verspielter Sonnenstrahlen. Darin findet sie Ruhe und Kraft. Sie reift und wird zur wunderschönen Frau. Es dauert nicht mehr lange und sie wird die Sinne eines Prinzen betören. Und dass es edle Prinzen noch gibt, daran zweifelt sie nicht. Irina Bondarenko braucht keine Worte, um ihre Geschichte zu erzählen. Ihr Körper ist nicht nur in der Lage, sich in jede Richtung zu verbiegen… Er kann auch reden, ganz ohne Sprachbarrieren – emotional, witzig bis dramatisch und sehr frei…

Erogene Klimazonen – Vortrag über Sex im Theater am Torbogen im Rottenburg

März 6, 2010  |  Allgemein, Start_News  |  No Comments

Lustige Länderklischees, eine Trauung im Publikum und ein lasziver Tanz auf der Bühne: Das Publikum war von der Comedy-Show im Theater am Torbogen sichtlich begeistert. Doktor Professor Olga Lomenko aus Russland (alias Olga Lomenko) betrat am Samstagabend die Bühne des kleinen Theaters mit den Worten: ,,Ich begrüße sie zum vierten Nationalen Kongress zur Sexualforschung und Sexualpsychologie.“ Ihr tapsiger Assistent Dimitrij Sacharow (Dimitrij Sacharow) sollte während des audiovisuellen Vortrags ein Video abspielen, machte es jedoch kaputt. Von nun galt es zu improvisieren. Das Theater am Torbogen war mit 100 Zuschauer/innen fast überfüllt. Grund dafür war das Programm ,,Erogene Klimazonen” des Duos Olga Lomenko und Dimitrij Sacharow. Die zwei brachten dem Publikum das Sexualverhalten verschiedener Kulturen auf komische Art näher. Landestypische Kostüme, Gestiken und Gesangseinlagen sorgten für viele Lacher. In Spanien werde das Sexualverhalten durch den Mythos des Frauenhelden Don Juan beeinflusst. Es sei aber fraglich, ob sich die Frauen auf Männer stürzen, von denen die meisten bis Ende dreißig noch im Hotel Mama wohnen.

,,Das größte Problem beim Flirten ist die Angst vor einem Korb”, stellt Lomenko bei den Deutschen fest. Wenn es um Unpünktlichkeit geht seien sie wiederum gar nicht zimperlich. Passend zum Land der Romantik sang sie das Lied „Alles aus Liebe“ von den Toten Hosen, ihr Assistent begleitete sie auf dem Klavier. Meditation kann stimulierend wirken, wie die Japaner beweisen. Gemeinsam mit dem Publikum machten Lomenko und Sacharow dazu eine Übung vor, jeder Besucher drückte mit seiner Handfläche so fest wie möglich an die des Nachbarn. ,,Die dabei entstehenden Geräusche hören sich zumindest leidenschaftlich an”. Platz eins belegten die Franzosen im Ranking, sie haben am häufigsten von allen Nationen Geschlechtsverkehr. Besonders oft muss aber nicht besonders gut heißen. Lomenko fügte hinzu ,,Der VW-Golf ist das meist gekaufte Auto in Europa, es ist aber auch nicht das Beste”. Das Highlight des Abends war der Can-Can-Tanz der Kabarettistin. Sie zog sich bis auf ein durchsichtiges Shirt und Hotpants aus und räkelte sich auf einem Stuhl. Als Abschluss der Studie trug Professor Lomenko die ,,ideale Rede” für standesamtliche Trauungen vor. Dafür mussten zwei Besucher herhalten und wurden mit Wunderkerzen, Sekt und Seifenblasen feierlich getraut. Einige Zuschauer haben vor lauter Lachen sogar geweint.

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Voronin

Februar 19, 2010  |  Comedy  |  No Comments

Evgeniy Voronin ist „der“ Illusionist aus der Ukraine. Aus einer Arztfamilie stammend, widersetzte Voronin sich dem Willen seiner Eltern in deren Fußstapfen zu treten und begann eine internationale Zirkus-Karriere, die ihn im Laufe der Jahre an alle namhaften Varieté-Häuser auf der Welt führte.
Seine außergewöhnliche Mischung aus Comedy und Magie wurde u. a. mit dem renommierten Las Vegas Magic Award ausgezeichnet und bringt Gäste wie die Grimaldis oder Zunftkollegen David Copperfield zum Staunen und Lachen. Viele Persönlichkeiten wie die Gebrüder Klitschko, Joan Baez, Kevin Costner und Barbara Streisand gehören zu Voronins Fans.
Seine sprühende Phantasie, seine Kreativität, Eigenwilligkeit und besondere Ausstrahlung machen ihn zu einer der schillerndsten Persönlichkeiten der Welt des Theater und Varieté. Seit vielen Jahren ist Evgeniy Voronin unbestrittener Star im Teatro Zinzanni in Seattle und San Francisco. Im Winter tritt er regelmäßig die Reise nach Europa an, um die Rolle des Grafen im PALAZZO zu übernehmen.
Seine Rolle als rachitischer, blaublütiger Gastgeber mit dem durchdringenden Blick, dem kein Wort über die Lippen kommt, ist dem Ukrainer wie auf den Leib geschneidert. Stilsicher und überzeugend mimt er den exzentrischen Aristokraten mit dem bleichen Gesicht, den ein geheimnisvoller Hauch umgibt und der im Verlaufe der Show köstliche Einblicke in die „familiären“ Verstrickungen der anderen Ensemblemitglieder gibt.

Erogene Klimazonen

Februar 18, 2010  |  Kabarett  |  No Comments

Ganz klar: so leidenschaftlich, so maßlos kann nur ein Russe lieben – ein echter Kerl, der seiner Frau in den Pelzmantel hilft, damit er nicht selbst den Schnee schippen muss, und ihr die Hand küsst, damit sie seine Wodkafahne nicht bemerkt. Behaupten zwei, die es eigentlich wissen müssten: Rund um die Welt von Liebe, Sex und Zärtlichkeit führte das „aufklärende Musikkabarett“ von Olga Lomenko und Dimitrij Sacharow in der Kulturwerkstatt.
Zum „IV. Internationalen Kongress der Sexualkunde“ haben die kabarettistischen Ostgewächse mit deutschem Pass geladen: Die kosakenblütige Olga Lomenko, eigentlich aus Saporoschje in der Ukraine stammend, und Dimitrij Anatoljewitsch, in Wirklichkeit ein Berliner Event-Manager. Der leidet an diesem Abend unter der Knute des russischen Matriarchats – immerhin 46 Prozent der Spitzenpositionen Russlands werden von Frauen gestellt.
Assistent Dimitrij lebt dafür am Rand der Bühne, als Karikatur seiner selbst, eine tragische russische Beziehung zur Hochtechnologie aus. Es hilft kein Schimpfen und kein Klagen der Referentin: In Nu sind ihre „erläuternden“ Videos in Bändersalat verwandelt – ein willkommener Vorwand für die beiden Künstler, mit Tanz- und Musikeinlagen die internationalen Bettdecken zu lüpfen.
Mit viel Ironie und Klischee, aber auch Fantasie und Feingefühl spürt das Duo den unterschiedlichen Lebens- wie Liebeswelten nach: Amerikanischer Bigotterie, spanischen Muttersöhnchen, orientalischen Schleiertänzen oder japanischen Schulmädchenschlüpfer- Schnüfflern – „Samurai“, die den Müll runterbringen und ihre Libido mit „Reiki“-Übungen bändigen müssen, damit die dünnen Wände nicht zusammenbrechen.
Der Franzose ein Genießer, der einer Dame in der Gondel zusammen mit dem trittbrettfahrenden italienischen Gondoliere Avancen macht. Oder der Deutsche: Nach viel Besserwisserei von ihm geht es zwei Stunden schweigend über die Kanäle – am Ende werden die Rechnungen getrennt bezahlt.
Während der deutsche Mann im Kopf die Beziehung bereits bis „Punkt 21“ durchgegangen ist, endet die, behauptet Lomenko, oft schon bei Punkt 1: dem gefürchteten Korb, von Dimitrij Anatoljewitsch auf die Folie des Overhead-Projektors gemalt. Die Deutschen sind in der Liebe eben am liebsten unglücklich, aber auch die Erfinder von „blauer Blume“ und Romantik: Mit den zarten Klängen von „Lass es Liebe sein“ sorgt die Sängerin vom Dnjepr für Gänsehautstimmung.
Dieser Humor-Import „pa-russkij“ wirkt vertraut und fremdartig zugleich, selbstironisch, lebensklug und eigentlich ganz züchtig. Es dauert eine Weile, bis die Dampfwalze exotisch-erotischer Leidenschaften in Fahrt kommt. Aber die polyglotten Musikeinlagen, auf Arabisch, Englisch, Deutsch, Russisch, Spanisch, sind brillant wie das wilde Feuerwerk, dass die beiden postsowjetischen Sexualforscher bei der „Wieder-Verheiratung“ eines Ehepaars aus dem Publikum zünden: Soviel Temperament verdient Kompliment – ein pikantes, leckeres Kaviarhäppchen des Kabaretts.

Konstantin Mouraviev

Februar 18, 2010  |  Comedy, Special Acts  |  No Comments

Mit seinem Rhönrad sorgt Konstantin für gelungene Überraschungsmomente und entführt in eine skurrile Welt der Zirkusartistik.
In seiner Darbietung verbindet der Künstler hochkonzentrierte sportliche Leistung mit einem gehörigen Schuss Comedy. Und er kommt ganz ohne Worte aus, wenn er die schier unglaubliche Geschichte des Mannes erzählt, der ganz dick ist und dann so schlank wird wie der Muskelmann, dem er nacheifern möchte – bis das dicke Ende kommt. Der Absolvent von Moskauer Zirkusschule begeisterte schon in seiner Karriere die Zuschauer von Zirkus “Roncalli”, “APOLLO” Variete in Düsseldorf, “Friedrichsbau” Variete in Stuttgart, “Wintergarten” in Berlin, sowie bei den zahlreichen TV Auftritten, unter anderem bei “Stars in der Manege” ARD. Im Jahre 2006 wurde Konstantin mit Silbermedaille, Sonderpreis von “Moulin Rouge” und “Grock”-Preis bei dem Festival Mondial du Cirque de Demain in Paris ausgezeichnet.

Ein Käfig voller Zaren – russischer Beitrag zur Berlinale 2010

Februar 14, 2010  |  Start_News  |  No Comments

Plüsch als Panzer: Der russische Berlinale-Beitrag “Veselchaki – Lustige Typen” erzählt die todtraurige Geschichte von fünf Moskauer Transvestiten in einem schwulenfeindlichen Land – so gut, dass sich renommierte Zeitungen um das Wohl der Darsteller sorgen.

Den Lidschatten hat Dmitrij schon aufgetragen. Jetzt streift er das Kleidchen über und die rosa Plüschjacke. Er schließt die Schnallen der Stöckelschuhe. Sie glitzern. Aus Dmitrij – gespielt vom russischen Schauspieler Daniil Koslowski – wird Lusja. Er, sie, stöckelt über die staubige Straße eines verfallenden russischen Dorfes, und dabei läuft Gloria Gaynors Hymne “I Will Survive”.

Es ist eine Schlüsselszene des Films “Veselchaki – Lustige Typen”, er wird am Donnerstagabend auf der Berlinale das “Panorama”-Programm eröffnen. Der Film erzählt die Geschichte einer Transvestiten-Truppe in Moskau – und spannt den Bogen von ihren umjubelten Auftritten als Künstler im Varieté bis zu den Anfeindungen, denen sie im russischen Alltag ausgesetzt sind. Den Soundtrack hat Andrej Danilko komponiert, Osteuropas wohl berühmtester Transvestit. Als Vera Serdjutschka erreichte er 2007 beim Eurovision Song Contest den zweiten Platz. Es ist ein guter Film geworden. Manchmal etwas schrill, aber er berührt.

Dmitrij Koslowski, 25, ist eine der jungen Schauspielhoffnungen Russlands. Er hat den Edgar in Shakespeares Tragödie “König Lear” auf Moskaus Bühnen gespielt und die Hauptrolle im Blockbuster “Wir sind aus der Zukunft”, einer der erfolgreichsten russischen Filmproduktionen der letzten Jahre. 2006 wurde er mit der Goldenen Maske geehrt, Russlands Nationalem Theaterpreis.

Ob er nicht einen Karriereknick befürchten müsse, fragte ihn die renommierte Moskauer Tageszeitung “Iswestija” spitz, nach der Russlandpremiere von “Veselchaki”. Er spiele die Transe Dmitrij ja ausgesprochen überzeugend.

Ein russisches Tabu

Genauso gut, schrieb ein empörter Filmkritiker auf der Web-Seite des Lifestyle-Magazins “Afischa”, hätte man einen Film über “irgendeinen anderen Psychopathen” drehen können. Er könne nur davor warnen, den Film anzusehen – die Vorliebe für feminine Kleidung könnte sich ja als ansteckend erweisen: “Ich will nicht, das meine Kinder so etwas sehen.”

Der Streifen des russischen Regisseurs Felix Michailow rührt an ein russisches Tabu und sorgt deshalb für Aufregung in Moskau: Vielen in Russland gilt Homosexualität noch immer als krankhafte Störung. Transvestiten, Schwule und Lesben, sie alle werden in Russland als “Päderasten” verfemt, als Kinderschänder.

Als “satanisches Treiben” bezeichnet Moskaus mächtiger Bürgermeister Jurij Luschkow regelmäßig Bestrebungen von Schwulen und Lesben, in Russlands Hauptstadt eine “Gay Parade” zu veranstalten, wie es sie in vielen anderen Europäischen Städten gibt. “Unsere Gesellschaft verfügt über eine gesunde Moral und akzeptiert all diese Schwuchteln nicht”, sagte er im vergangenen Jahr im TV. Fast 60 Prozent der Moskauer teilen laut Umfragen diese Auffassung.

Milizeinsatz gegen Lesbenkino

Als in St. Petersburg das lesbische Kinofestival “Seit an Seit” eröffnet werden sollte, schickte die Staatsmacht Milizionäre und ließ den Vorführsaal sperren – angeblich aus Gründen des Brandschutzes. Derzeit bemühen sich Aktivisten um die Genehmigung einer Demonstration in der Stadt, die sich selbst gern als weltoffenes “Fenster nach Europa” darstellt. Doch die Putin-Partei hat bereits Bedenken angemeldet, Homosexuelle seien “kranke und perverse Menschen”, sagte Sergej Andenko, Abgeordneter von “Einiges Russland” im Regionalparlament.

Russlands Gesellschaft sei noch nicht hinreichend demokratisiert, noch nicht offen genug, glaubt Alexej Bokow, Produzent des Films. “Aber uns liegt jeder kämpferische Impetus fern.” Es gehe nicht um Konfrontation, nicht mit Moskaus Stadtvater Jurij Luschkow, noch mit sonst jemandem. “Wir propagieren keinen bestimmten Lebenswandel. Der Film soll die Zuschauer nur berühren.”

Eine “unkonventionelle Komödie” haben die Macher ihr Werk genannt. Es zeigt ein bisschen Tuntenkomik. Es gibt grelle Auftritte im Moskauer Varieté und reichlich Musik, doch letztlich erzählt “Veselchaki – Lustige Typen” eine traurige Geschichte. “Die Helden unterhalten ihr Publikum. Doch im Kern ist das eine Geschichte über Menschen, die irgendwann von der geraden Strecke abgekommen sind”, sagt der finnische Schauspieler Ville Haapasalo. Im Film spielt er den Transvestiten Rosa, Varieté-Chef, alleinerziehend und bemüht, der Tochter neben dem Vater auch die Mutter zu sein. “Ich kenne Männer, die so leben und die sehr glücklich sind. Aber in die ‘Lustigen Typen’ führt ihr Weg in eine Sackgasse.”

Für Lusja alias Dmitrij ist die Maskerade eine Flucht. Manierlich in Jeans und Lederjacke gekleidet hat er in seinem Heimatdorf seine Eltern gesucht. Gefunden hat er nur einen Haushalt von Säufern. Die Mutter erkennt, vernebelt vom Fusel, den eigenen Sohn kaum wieder. Nachts hört er die Geräusche der Zechenden von nebenan – und holt seine Frauenkleider wieder aus dem Koffer hervor. Der Plüsch ist für Dmitrij ein Panzer.

Am Ende des Weges warten vier Schlägertypen auf die Transentruppe. “Irgendwann”, sagt Rosas Mörder, “muss jeder Schmetterling sterben.”


Frühling im Wintergarten mit Meret Becker

Februar 5, 2010  |  Start_News  |  1 Comment
Berlin – Das Varieté ist tot, es lebe das Varieté! Nach diesem Motto öffnet der fast schon abgeschriebene Berliner Wintergarten wieder seine Pforten.

Die Fee, die das Traditionshaus an der Potsdamer Straße wachküssen soll, ist die Sängerin und Schauspielerin Meret Becker («Kleine Haie»). Ihre «Fabelhafte Varieté Show», so der Titel, feiert am Freitag Premiere.

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«Das Varieté liegt bei mir in der Familie. Meine Oma ist noch im alten, historischen Wintergarten aufgetreten», erzählt die 41-jährige im Gespräch mit der Deutschen Presse-Agentur dpa. «Und ich habe mit einer “Singenden Säge” und Max Raabe auf einer kleinen Varieté-Bühne in Berlin angefangen.»

Die neue Show soll mit Spitzen-Artisten aus aller Welt ein Feuerwerk aus Akrobatik, Gesang, Zauberei, Clownerie und Live-Musik bieten. Meret Becker sorgt als Sängerin und Conférencière mit ihrer Band The Tiny Teeth für die musikalische Grundstimmung. Nach den drei Voraufführungen in den vergangenen Tagen ist das Lampenfieber inzwischen gedämpft. «Das war sehr aufregend, aber auch schön», sagt sie.

Ihre Oma Claire Schlichting gehörte einst zu den ganz großen Stars, als der 1880 gegründete Wintergarten in den Weimarer Jahren seine Blütezeit feierte. Künstler wie Claire Waldoff und Otto Reutter gehörten zum Inventar. Kaum ein namhafter Comedian kam an der legendären Schaubühne vorbei. Ein Bombenangriff legte 1944 den Glaspalast an der Friedrichstraße in Schutt und Asche.

Erst 1992 gelingt ein Neuanfang. Der Kulturunternehmer Peter Schwenkow hebt mit den Roncalli-Gründern André Heller und Bernhard Paul den neuen Wintergarten an anderer Stelle aus der Taufe. Er kann zunächst an goldene Zeiten anknüpfen, muss Anfang 2009 nach einer längeren Durststrecke aber dichtmachen: Die scharfe Konkurrenz im Berliner Kulturleben mit allabendlich über 1600 Veranstaltungen machte es zunehmend schwer, die fast 500 Plätze zu füllen.

Oder ist einfach die Zeit des Varietés vorbei? Nein, sagt Meret Becker. «Im Zeitalter der Schnelllebigkeit, wo man Fast Food isst und Häppchen nascht und YouTube guckt statt Filme, ist Varieté eigentlich die richtige Form. Und es hat ja absolut nichts Altbackenes an sich. Es sind alles junge Künstler, die das einbringen, was wirklich hip ist.»

Schon bei der Vorstellung des neuen Konzepts hatten sich die Macher zuversichtlich gegeben. «Das Varieté ist nicht totzukriegen, auch wenn es mal kränkelt», sagte Manager Georg Strecker, der auch unter dem neuen Betreiber Arnold Kuthe Entertainment GmbH (Berlin) für die künstlerische Gestaltung zuständig bleibt. Er plant jährlich drei größere Programme, die «zeitgemäß, aber nicht zeitgeistig» sein sollen.

Für Meret Becker ist ihre dreimonatige Verpflichtung im Wintergarten wegen ihrer Großmutter auch ein Anknüpfen an die Familiengeschichte. «Man kommt ja in ein Alter, in dem man über seine Wurzeln nachdenkt», sagt sie. «Früher als Kind hatte ich oft das Gefühl, dass irgendetwas nicht stimmt, nicht ins Bild passt. Und dann seine Wurzeln zu entdecken in einer Unwurzeligkeit wie dem Varieté, das ist schon toll.»

In Freiburg präsentieren sich 350 Aussteller bei der 22. Kulturbörse

Januar 26, 2010  |  blog  |  1 Comment

Größer, bunter, perfekter – aller Wirtschaftskrise zum Trotz präsentiert sich die 22. Internationale Kulturbörse Freiburg mit Superlativen. So verzeichnet Deutschlands älteste Fachmesse für Bühnenproduktionen, Musik und Events in diesem Jahr eine Rekordbeteiligung: Erstmals ist die Messehalle 2 mit über 350 Ausstellern aus 20 Nationen komplett ausgebucht. Hier werben Künstler, Agenturen, Bühnentechniker, Catering-Betriebe oder Zeltverleiher. Dazu kommen noch 183 Kurzauftritte auf vier Bühnen im Halbstundentakt: Rund um die Uhr kann das Fachpublikum Live-Auftritte aus den Bereichen Theater, Kabarett, Musik, Comedy, Artistik, Musik, Varieté oder Straßenperformance ansehen.

Es gibt eine große Eröffnungsgala, einen Schwerpunktabend Varieté, zum ersten Mal einen Tanzabend und zum Abschluss noch die Preisverleihung der „Freiburger Leiter“. Zusätzlich werden Seminare, Workshops, Vorträge und Ausstellungen angeboten. Kurzum: Ein viertägiger Kultur-Marathon, nach dem alle Beteiligten bis an den Rand abgefüllt sein dürften…

Dabei hatte 1989 alles als lauschiger Insider-Treff am Seepark angefangen: Mit Festzelt, viel Straßentheater, Zaungästen und Kinderbelustigung. 2001 folgte aus Platzmangel der Umzug in die Neue Messe, seitdem sind sich Kunst und Business so nah wie selten. Während die einen im Messecafé noch aufgeregt ihren Kurzauftritt nachbereiten, ist bei den Einkäufern am Nebentisch schon der Laptop aufgeklappt, um Planung und Budget kompatibel zu machen. Viele planen hier für ihre Festivals und Gemeinden das kommende Kulturjahr. Man schaut, diskutiert und entscheidet – zu Zeiten gekürzter Haushalte freilich zögerlicher und erst nach besonders scharfer Kalkulation. Während die einen für Engagements immer mehr kämpfen müssen, versuchen die anderen mit knappen Budgets möglichst gute Programme einzukaufen.

Doch genau diese Nähe zwischen Produzent und Vermarkter macht dann auch den Reiz der Kulturbörse Freiburg aus. Auch wenn für manchen Künstler die Standgebühr von 500 Euro aufwärts eine große Investition bedeutet, bei der Börse ist man dabei! Hier geht es ums Sehen und Gesehenwerden, man trifft Kollegen, knüpft Netzwerke, informiert sich über Neuerungen und Trends. „Wir sitzen hier Stube an Stube – wie im Puff“, lacht einer, während neben ihm Show-Ausschnitte über den Monitor flimmern. Das Internet bietet die Infos, die Börse den persönlichen Kontakt.

Ein Mega-Event in Sachen Kultur – aber lohnt sich der Aufwand auch für die Künstler? Ein Streifzug durch die Messehalle bringt ein ganzes Kaleidoskop an Erfahrungen, Hoffnungen und Kritik. „Ich bin seit sieben Jahren mit dabei, obwohl ich rund 1600 Euro hier für vier Tage liegen lasse.“ erzählt Kabarettist Heinrich Del Core aus Zimmern bei Rottweil. Er gehört zu den Glückskindern, die von der Jury für einen der begehrten Kurzauftritte ausgewählt wurden und ist sehr gespannt, ob das den überregionalen Durchbruch bringt. Freilich kann man vor dem oberkritischen Fachpublikum auch grausam scheitern… Mit 130 bis 150 Auftritten jährlich hat er noch nichts von der Wirtschaftskrise gespürt, im Gegenteil: „Gerade in harten Zeiten wollen die Leute Unterhaltung. Ich bin Solist im Mittelpreissegment, das können sich Veranstalter noch leisten.“

Sehr viel kritischer ist da Walter Koch vom Konstanzer Dox-Maskentheater. Im Vergleich zur Kulturbörse in Paderborn ist ihm die Messe Freiburg zu teuer, zu groß und unpersönlich. Spontanbuchungen hat er hier noch nie erlebt, das Hauptgeschäft läuft weiter über die Homepage. Der Kampf sei aufgrund gestrichener Subventionen in den letzten Jahren härter geworden. So sind die Engagements an kleinen Theatern selten, dafür brummt das Straßentheater zu Festen und Jubiläum. Das ausgeweitete Programm der Live- Auftritte sieht er eher als Nachteil, hat das Fachpublikum doch kaum noch Zeit und Lust, sich entspannt die Stände anzusehen. Dieses Jahr ist Koch noch dabei, sollte die Bilanz schlecht sein, wird er nicht mehr nach Freiburg kommen.

Ein absolutes Muss ist die Kulturbörse allerdings für Beatrice Siegel von der Künstleragentur Brief & Siegel aus Rottweil. Sie teilt sich den Messestand mit drei weiteren Agenturen: Da entwickeln sich oft gemeinsame Projekte und Kontakte. Überhaupt läuft es gerade prima: „Die Krise macht die Leute wacher, kritischer. Das ist gut fürs Kabarett!“ Von der Kulturbörse erwartet sie mehr Mut zum Experiment: Bunter, absurder, vielfältiger sollte die Auswahl der Kurzauftritte sein, weniger Comedy und weniger Mainstream. „Ich will hier Entdeckungen machen, nicht nur TV- bekannte Gesichter auf der Bühne sehen.“

Tja, allen kann man es sicher nicht recht machen, hellhörig für Künstlerbedürfnisse sollten die Macher aber trotz aller Superlative bleiben…

22. Internationale Kulturbörse: Bis 28. Januar, täglich 10-18 Uhr. Messe, Freiburg.

Weitere Informationen:

www.kulturboerse.de

Das 33. Internationale Zirkusfestival in Monte Carlo

Januar 25, 2010  |  blog  |  No Comments

Das Internationale Zirkusfestival von Monte Carlo wurde 1974 von Fürst Rainer III. begründet.
Seitdem findet dieses Festival nunmehr zum 33. Mal in Folge statt.
Wie ein Magnet zieht jedes Jahr im Januar das kleine Fürstentum Monaco Artisten und Agenten aus aller Herren Länder an. Grund dafür: das große Zirkusfestival unter der Leitung von Prinzessin Stephanie. Sie hat nach dem Tod ihres Vaters die Präsidentschaft des Festivals übernommen und lässt es sich nicht nehmen, zusammen mit einer internationalen Jury jedes Jahr die besten Artisten auszuwählen und auszuzeichnen: mit dem goldenen, silbernen oder bronzenen Clown. Bewertet wird das Können der Artisten nach Grad der Schwierigkeit und Kreativität.

Der Oscar der Zirkuswelt

Und für jeden Artisten ist es ein Muss, einmal in Monte Carlo dabei zu sein. Denn der Gewinn eines Clowns ist hoch zu bewerten – zieht es doch immer gleich einige Engagements in großen und namhaften Zirkus-und Varietéhäusern Europas nach sich.
Denn was Hollywood für den internationalen Film, ist Monte Carlo für die Welt des Zirkus - das bedeutendste Festival der Welt. Für jeden Artisten erfüllt sich ein Lebenstraum, wenn er einmal in seinem Leben einen Clown in seinen Händen hält.