Palazzo Saison ist eröffnet!

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November 21, 2010  |  Start_News, blog  |  Kommentare deaktiviert

In der exklusiven Atmosphäre eines nostalgischen Spiegelpalastes begeistert Palazzo mit einer unterhaltsamen Mischung aus “Schauen, Staunen, Schmecken” in Berlin, Stuttgart, Nürnberg, Mannheim, Wien und Amsterdam. Im Mittelpunkt des rund dreieinhalbstündigen Programms stehen eine künstlerische Show der Spitzenklasse und ein exquisites Gourmet-Menü. Auch die anderen Konzepte von Dinnershows begeistern das Publikum Deutschlandweit. Hervorragendes Essen, erstklassige Unterhaltung, mitreißende Musik und im Hintergrund unzählige Kerzen, die in tausenden Spiegeln funkeln – die perfekte Rezeptur, um dem Alltag für ein paar vergnügliche Stunden zu entfliehen.
Die Künstler von Sacharow Entertainment unterstützen auch in diesem Jahr die zahlreichen Dinner-Shows – mit Olena Yakymenko (Luftakrobatik am Ring) und Iryna Pitsur (Jonglage, Kontorsion) – in Berlin, mit Sos & Victoria (Quickchange) in Stuttgart, mit Duo Valeri (Luftakrobatik an Strapaten) und Crazy Flight (Voltige) – in Mannheim, mit “Aphrodites Töchter” (Partnerakrobatik) in EUROPA PARK Rust, mit Dilya (Luftring), Sascha Babiy (Kontorsion) und Duo Shcherbak & Popov (Partnerakrobatik) in Leipzig bei der Dinnershow “Gans ganz anders” von “Krystallpalast Variete” ,sowie mit Duo Credo (Partnerakrobatik), Natalia Netselya (Sandart) und Clown Knock (Comedy) in Essen bei “PANEM & CIRCENSES” von Roncalli.

Asturia Quartett – Live Strings

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November 8, 2010  |  Menu_Musiker  |  Kommentare deaktiviert

Vier wunderschöne junge Frauen, alle Absolventen des Konservatoriums in Kiev, entführen uns in die zauberhafte Welt der Klassik- und Popmusik und begleiten die Show mit virtuosen Einlagen.

Vitaliy Ostroverkhov – Schlappseil

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November 8, 2010  |  Akrobatik am Schlappseil, Special Acts  |  Kommentare deaktiviert

Der 22jährige VITALIY wurde in der Ukraine geboren. Er studierte an der Moskauer Zirkusschule und wurde von seinem Vater unterrichtet, auf dem zur Seite schwingenden Seil zu gehen, balancieren und zu jonglieren. In seiner unglaublichen Darbietung schafft er auf dem Seil zu bleiben, während er hüpft, Ein- rad fährt und in den Spagat geht. Bei dem “European Youth Circus” Festival 2010 in Wiesbaden wurde Vitaliy mit dem Sonderpreis von Rosgoszirk ausgezeichnet.

Rigolo – Sanddornbalance

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November 8, 2010  |  Special Acts  |  Kommentare deaktiviert

Die Welt gerät aus den Fugen, wird aus den Angeln gehoben! Oder mag sie sich doch noch retten, im letzten Augenblick? Unsere Urangst, die eigene Mitte zu verlieren, abzustürzen, und gleichzeitig unsere Urhoffnung, doch wieder aufgefangen, aufgehoben, getragen zu werden – beide stehen und fallen mit uns selbst. Zwischendurch, nur selten, geschieht oder gelingt uns ein Moment des Gleichgewichts, des Glücks – Balance… Die Faszination dieser Momente hat Rigolo-Gründer Mädir Eugster nie losgelassen. Denn jeder dieser Augenblicke, und seien sie noch so kurz, wiegt mehr als tausend Tage und Nächte voller Angst und Hoffnung auf! Also: könnten diese Augenblicke vielleicht angerufen, manchmal provoziert, ja sogar erzeugt, “gemacht” werden? Der Tänzer, Bastler und Bildhauer Eugster wird zum Tüftler, Erfinder, Alchemist, letztlich zum “Zeremonienmeister des Glücks”, wie er schon genannt wurde. Er will es sich und allen beweisen, will als moderner Schamane dem Schicksal ein Schnippchen schlagen. Et voilà: Balance!

Sprungbrett für Artisten

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Oktober 7, 2010  |  Start_News  |  Kommentare deaktiviert

EUROPEAN YOUTH CIRCUS Nachwuchsfestival mit 26 Darbietungen aus 16 Ländern

Ein Engagement im Frankfurter Tigerpalast, diverse TV-Auftritte und ab 2011 mit dem berühmten Cirque du Soleil auf Tour. Für das Trapez-Duo Elja geht es seit ihrem Triumph beim European Youth Circus 2008 steil bergauf. Für Jury-Sprecher und Tigerpalast-Chef Johnny Klinke verdeutlicht die Karriere der Zwillingsschwestern aus der Wetterau daher auch den Stellenwert, den das Wiesbadener Artistikfestival inzwischen genießt: „Es ist ein absolutes Highlight der europäischen Artistenszene und dient vielen Nachwuchsartisten als Karriere-Sprungbrett.“

Und so haben sich auch für die aktuelle Auflage des European Youth Circus (EYC), der vom 28. bis 31. Oktober auf dem Dernschen Gelände im Sarrasani-Zelt über die Bühne geht, unzählige junge Artisten aus ganz Europa beworben. In den vier Wettbewerbsshows dürfen sich nun 26 Darbietungen aus 16 Ländern in zwei Altersklassen präsentieren. Mit dem Jongleur Victor Krachinov aus Moskau und Schlappseilartist Vitaliy Ostroverkhov aus Kiev ist wieder Sacharow Entertainment bei dem Festival dabei.

Die übrigen Teilnehmer decken wiederum ein breites Spektrum artistischer Disziplinen ab: Das Trio Acrobarouf katapultiert sich via Schleuderbrett durch die Lüfte, Yuliya Mykhailova ist eine Meisterin des Handstands und Tetiana Konobas zeigt Akrobatik auf überdimensionalen Gymnastikbällen. Aus Deutschland ist unter anderem Nicolai Kuntz dabei, der mit seinen Kapriolen am Trapez schon beim Circus Flic Flac begeisterte. Angesichts dieser bunten Mischung ist sich Kultur-Dezernentin Rita Thies sicher, dass das Festival auch in diesem Jahr wieder mit „vielen Stunden zum Atemanhalten und Verzaubernlassen“ aufwarten wird.

Etwas Neues hat sich das veranstaltende Kulturamt heuer für die Präsentation der Shows ausgedacht. Diese stehen erstmals unter einem Motto („Die Enkel der Blumenkinder“) und werden von dem bekannten, russischen Artistik-Choreograf Alexandre Grimailo in Szene gesetzt. Auch bei der Moderation gibt es einen Wechsel: Für Pascal Raviol übernimmt die TV-Moderatorin Natascha Berg, die für N24, Sat.1 und Pro7 schon von der Oscarverleihung und Michael Jacksons Beerdigung berichtet hat. Außerdem soll die siebenköpfige Liveband in diesem Jahr häufiger zum Einsatz kommen.

Unverändert bleiben dagegen die Bewertungskriterien der Jury. Auch dieses Mal, betont Jury-Sprecher Klinke, suche man „Artisten-Persönlichkeiten, die Menschen begeistern können“. Bei der Einschätzung der Darbietungen zählten daher Ausstrahlung und Kreativität genauso viel wie das „artistische Handwerk“. Zu gewinnen gibt es Geldpreise (2 000 Euro für Platz eins, 1 500 Euro für Platz zwei und 1 000 Euro für Platz drei) und als Hauptpreis ein Engagement im Tigerpalast.

Die Stadt gibt für das Festival in diesem Jahr rund 200 000 Euro aus. Da sie aber gleichzeitig mit Ticket-Einnahmen von 80 000 Euro rechnet, bleiben die Kosten in überschaubarem Rahmen. Das meint auch Johnny Klinke: „Wenn ein kulturelles Kleinod wie der European Youth Circus mit einem solch geringen Budget zu stemmen ist, sollte man so manche millionenschwere Opern-Produktion infrage stellen.“ Großes Lob von Klinke gab es auch für das EYC-Organisationsteam, das es geschafft habe, aus dem kleinen unbedeutenden Festival mit seinen Anfängen in Delkenheim eine Veranstaltung von europäischer Bedeutung zu formen.

Quelle: Wiesbadener Kurier

Erogene Klimazonen – Olga Lomenko und Dimitrij Sacharow blicken im Häfler Atrium unter internationale Bettdecken

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Oktober 4, 2010  |  Start_News  |  Kommentare deaktiviert

Mit solcher Leidenschaft und Inbrunst kann nur ein Russe lieben. Ein Held des Alltags, der seiner Frau nur in den Pelz hilft, um nicht Schnee schippen zu müssen, sie mit Handkuss begrüßt, um seine Wodkafahne vor ihr zu verbergen. Dies behaupten zwei, denen man Glauben schenken sollte: Olga Lomenko, gebürtige Ukrainerin, und Dimitrij Sacharow, seit zehn Jahren ein glückliches Bühnenpaar.

Sie luden am Freitagabend im Friedrichshafener Atrium zum „IV. Internationalen Kongress zur Sexualforschung und Sexualpsychologie“. Die Rollen sind klar verteilt: Am Rednerpult die heißblütige Olga, im Hintergrund der Bühne Assistent Dimitrij, der auf seinem Stühlchen ausharrt, bis die Professorin ihm in matriarchaler Manier und mit bemerkenswerter Stimmgewalt Befehle zubellt.

Das sei in russischen Beziehungen so, erklärt Olga: „Die Frau holt ihren Mann tagsüber vom Sockel, und nachts richtet sie ihn wieder auf.“ Verunsichert von der Dominanz der urweiblichen Ausstrahlung Olgas, hat Dimitrij die für den Vortrag benötigte Videokassette schnell in Bandsalat verwandelt. Eine willkommene Gelegenheit für die beiden Kabarettisten, zu improvisieren. „Die Popkultur ist ein internationaler Brennspiegel der sexuellen Sehnsüchte“, leitet Olga ein und schickt in der Folge das Publikum auf eine musikalische und tänzerische Gondelreise durch Venedig.

Mit Finesse, Ironie und Klischee erläutert das Duo die globalen Liebes- und Lebensarten. Von erotischen Vagabunden und Muttersöhnchen in Spanien wird erzählt und von amerikanischer Bigotterie. Oder von Japan, wo ein Samurai nicht diskutiert, ob er den Müll runterbringen soll und seine Libido mit Reikiübungen in Grenzen halten muss, weil sonst die reispapierdünnen Wände zusammenbrechen. Vom Franzosen wird erzählt, der mit Savoir-Vivre seiner Angebeteten gleich gemeinsam mit dem Gondoliere Avancen macht. „Aber wenn der rätselhafte Unbekannte wirklich gut aussieht, intellektuell schweigend in der Gondel sitzt, sich für seine Landsleute als Touristen entschuldigt, einer Dame zaghaft und zögernd die Hand aufs Knie legt, um gleichzeitig einen Korb zu fürchten, dann kann es sich nur um einen Deutschen handeln“, erzählt Olga Lomenko ihrem Publikum.

Es dauert etwas, bis Olga so richtig in Fahrt kommt, aber dann lebt sie auf der Bühne stimmgewaltig alle Facetten geballt-globaler Weiblichkeit aus. Sie verheiratet zwei wildfremde Menschen im Publikum, trinkt darauf ein Glas Sekt in einem Zug und vergisst danach nicht, ins Mikrofon zu rülpsen. Laszivität löst Wildheit ab, so sind die Frauen: Denn gleich darauf räkelt sich Olga unter der Klavierbegleitung von Dimitrij in schwarzer Unterwäsche auf einem Stuhl und haucht das Lied „Etienne“. Zum Schluss schickt sie das Publikum mit „Lass es Liebe sein“ romantisch durchtränkt nach Hause.

Quelle: Südkurier

Tiger Lillies entführen in die Welt der Freaks

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September 28, 2010  |  Start_News  |  Kommentare deaktiviert

Hereinspaziert zur “Tiger Lillies Freakshow”. Die drei Londoner Künstler erzählen im Berliner Varieté Wintergarten von der wundersamen Welt der Außenseiter. Wer sich darauf einlässt, wird mit Absonderlichkeiten, Obskuritäten und Absurditäten von abgründiger Schönheit verzaubert.
Die Stimme knarzt so verheißungsvoll wie bedrohlich. “Welcome to the carnival of circus freaks!” Die Einladung ist eindeutig. “Ladies and gentlemen take your seats!” Wer sich einlässt auf diese obskure Wunderbude, die sich jetzt im Varieté Wintergarten an der Potsdamer Straße eingenistet hat, wird mit Absonderlichkeiten, Obskuritäten und Absurditäten von abgründiger Schönheit verzaubert, taucht tief ein in eine provokant-poetische, morbid-romantische Einzigartigkeit, die Vergnügungslust und Nervenkitzel der Sideshows und Rummelbuden vergangener Jahrmarkts-Jahrhunderte als bewegende, skurrile, irrwitzige Cabaret-Revue inszeniert. Hereinspaziert in eine Dreigroschenoper-Halbwelt, die aus der Zeit gefallen scheint. Hereinspaziert zur “Tiger Lillies Freakshow”.

Seit mehr als 20 Jahren besingen die drei Londoner Tiger Lillies Zuhälter und Huren, Kleinkriminelle und Drogensüchtige, Proleten und Perverse, Aussteiger und Verlierer. Sie haben es mit ihrer Struwwelpeter-Version “Shockheaded Peter” vor zehn Jahren zu einiger Berühmtheit gebracht. Sie haben mit bewusster, ironiegesättigter Provokation und Liedern über Brandstifter, Sodomisten und Selbstmörder verstört und begeistert, sich dabei Feinde gemacht – und immer mehr Freunde.

Nun steht Sänger Martyn Jacques mit grell geschminktem Clownsgesicht und seinem kleinen Akkordeon im düster wabernden Bühnennebel und erzählt von der wundersamen Welt der Außenseiter, der Freaks, die den Anschluss an die Gesellschaft verloren haben und sich auf einer Kirmes zur Schau stellen, die es heute so längst nicht mehr gibt.
Während die schiere Lust an den einst marktschreierisch angepriesenen Attraktionen der alten Schaubuden und Panoptiken heute längst vom Privatfernsehen mit seinen voyeuristischen Prekariats-Zurschaustellungen befriedigt wird, entführen die Tiger Lillies in eine sehnsuchtsvolle Gegenwelt, in der sich siamesische Zwillinge (Ele und Julia Janke) rekeln und showerprobte Liliputaner-Artisten (Irene und Rolando Hofer) kleine beleuchtete Zirkuswagen über die Bühne schieben. In der sich die mysteriöse Schlangenfrau Alba windet. In der uns die Tiger Lillies den riesigen Marionetten-Mann mit den drei Paar Armen und die traurige Frau mit den längsten Haaren der Welt vorführen. Und in der sie fragen, was denn nun abnorm, und was normal ist in einer Welt, die kaum noch Geheimnisse oder Tabus zu kennen scheint – mit einer melancholischen Mischung aus Moritaten-Pop und Tingeltangel, Kabarett-Songs und Underground-Varieté.

Da schwingt auch ein wenig das Gefühl mit, etwas Verwegenem, Verwunschenem, Verbotenem beizuwohnen. Die Atmosphäre ist kribbelnd unheimlich und auf faszinierende Weise betörend. Kontrabassist Adam Stout, der immer wieder auch den Urahn der elektronischen Musik, das Theremin, spukig aufheulen lässt, und der Schlagzeuger Adrian Huges, den David Byrne einmal als „James Joyce on drums“ apostrophierte, sind Martin Jacques kongeniale Partner in diesem magisch-musikalischen Theater der Träume und Albträume. Musikalisch klingt Weill ebenso mit wie Music Hall und Zirkus-Remmidemmi. Polka und Blues untermalen die aufbrausenden Mörder-Balladen und schmerzhaften Outcast-Lieder zum schaurig-schönen, wehmütigen Klang des Akkordeons. Und Jacques wechselt bei seinen seelentrunkenen Gesängen vom kunstvollen Kastratensopran in rau-dräuende, an Tom Waits gemahnende Tiefen und zurück.

Die Tiger Lillies sind eine höchst ökonomische Band. Sie verstehen es gekonnt, ihre Lieder zu immer neuen Song-Zyklen zu arrangieren. Auch in dieser Show finden sich alte Bekannte im neuen Kontext. Das Lied von der “Bleeding Lady” wird von der weinend singenden Säge begleitet, “Three Legged Jake” wird von einer fantasievollen Hutjonglage (Lorenzo Mastropieto) begleitet, bei “Miracle Cure” wird ein Schwert geschmiedet, das die unzertrennlichen siamesischen Zwillinge trennt, bei “Rosa with three Hearts” wird eine voluminöse Lebedame hereingefahren. Und zum grandiosen Höhepunkt kann man von den nun getrennten Zwillingen zu “Forever Together” eine grandiose, waghalsig ausgetüftelte und immer wieder von aufbrausendem Jubel begleitete Trapeznummer erleben, die wahrlich Staunen macht.

Die “Tiger Lillies Freakshow”, inszeniert vom Varieté-erprobten Regisseur Sebastiano Toma und nun für vier Wochen im Wintergarten heimisch, ist eine anrührende Außergewöhnlichkeit im an Höhepunkten reichen Berliner Kulturleben. Kein Konzert, keine Revue, kein Varieté – und doch von allem etwas. Für die Zugaben wird mit “Crack of Doom” und dem Lillies-Klassiker “Start A Fire” noch einmal ordentlich der Untergang der Menschheit beschworen, bevor Martyn Jacques mit einem ironischen Grinsen und seinen beiden Mitstreitern im Gefolge die Bühne mitten durch den Zuschauerraum verlässt. Applaus!

Quelle: Berliner Morgenpost

Radu Poklitaru

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September 10, 2010  |  dance  |  Kommentare deaktiviert

Enfant terrible des Balletts
Einer der talentiertesten jungen Ballettmeister Europas, dessen Schaffen das riesige Zuschauerinteresse erweckt. Sein Name wurde bekannt Ende der neunziger Jahre, als die Tanzminiaturen von ihm bei verschiedenen Internationalen Ballettwettbewerben die höchsten Auszeichnungen bekamen und von seinen eigenartigen Stil der plastischen Sprache, der Musikauswahl und präziesen Dramaturgie sprechen ließen.
Radu Poklitaru ist schon lange auf die Rolle eines „choreographischen Provokateurs“ festgelegt. Seine radikalen Experimente gelten klassischen Stücken, die er bis zur Unkenntlichkeit umgestaltet und sie mitunter zu komischen und absurden Gags mutieren lässt. Seine „Carmen TV“, die als erste im Rahmen des Festivals „Summer Ballet Seasons“ gezeigte wurde, ist ein gutes Beispiel dafür. Seine Einakter „Krankenzimmer Nr. 6“ und „Underground“ zeugen aber davon, dass die Rolle eines feinsinnigen und nachdenklichen Regisseurs ihm viel besser steht.

Das tschechowsche „Krankenzimmer Nr. 6“ zu Musik von Arvo Pärt wurde 2004 im Auftrag des damaligen künstlerischen Leiters des Bolschoi-Theaters inszeniert. Das Ballett hielt sich aber im Repertoire nicht lange, ein paar Jahre später entschied sich Radu Poklitaru, es in seiner Kompanie wieder aufzunehmen. Der Szenograph Andrej Slobin stellte auf die Bühne eine schief gewordene Remise, die sowohl Ragins Zuhause, als auch das Krankenzimmer oder die Stadtverwaltung verkörpert – also alle wichtigen Orte, an denen bei Tschechow die Handlung spielt. Der Schreibtisch, der sich gegen Ende zum Krankenbett transformiert, symbolisiert den Wahnsinn des Arztes.
Poklitaru organisiert das „Krankenzimmer Nr. 6“ nach allen Regeln eines Theaterspiels und lässt seine Tänzer gleichzeitig als Schauspieler agieren. Klare Dramaturgie, deutliche Bilder, sprechende Gesten, Text- Einsprengsel – der Choreograph setzt alle Mittel ein, damit der Ballettinhalt maximal verständlich wird. Die angestrebte Dramatisierung hat jedoch überhaupt keine nachteilige Auswirkung auf das Tänzerische der Aufführung. Die morbide, auf dem Unverständnis beruhende Welt der Bewohner des Krankenzimmers Nr. 6, fand ihre Entsprechung in der plastischen Sprache des Choreographen. Plumpe, mechanistische Bewegungen des Doktors und seiner Gleichgesinnten, die Ragin um den Verstand bringen, werden harmonischen, fließenden Duetten mit dem geisteskranken Iwan Dmitriewitsch gegenübergestellt. Die Seelenverbundenheit beider Protagonisten wird mit jedem neuen Körperkontakt stärker und mündet schließlich in einen gemeinsamen ausdrucksstarken Tanz.
Zwischenmenschliche Beziehungen erforscht Radu Poklitaru auch in „Underground“. An die Spitze seiner Inszenierung, deren musikalische Grundlage das Geigenkonzert des lettischen Komponisten Peteris Vasks bildet, stellt er als Motto den Satz von Jean-Paule Sartre „Die Hölle, das sind die andern“. Poklitarus Hölle ist ein unheimliches Verlies, in das unschuldige Menschen vom Krieg getrieben werden. Er bringt seine Helden in eine ausweglose Situation, in der das Streben nach Freiheit manchmal brutale Züge annimmt. Auf dem Hintergrund menschlicher Bosheit entstehen aber gleichzeitig aufrichtige Gefühle, die im Finale nicht nur diese Unglücklichen, sondern die ganze Welt retten.

Erotische Reise um die Welt – Olga Lomenko reißt das Publikum auf der Waldbühne mit

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September 10, 2010  |  Start_News  |  Kommentare deaktiviert

Russen als zärtliches Unglück, die einer Frau nur deshalb die Hand küssen, damit sie die Wodkafahne nicht ins Gesicht bekommt, geschmeidige Geisha und Samurai, die den Müll runter bringen – mit ihrem Programm „Erogene Klimazonen“ gastierten Olga Lomenko und Dimitrij Sacharow auf der Kleinkunst-Waldbühne im Bad Schwalbacher Alleesaal.

Zum „Internationalen Kongress der Sexualkunde“ haben die beiden eingeladen, um dem imaginären Herrn Professor die Ergebnisse ihrer Forschungsreise per Videoband zu präsentieren. Doch Assistent Dimitrij hat die Kassetten in untauglichen Bändersalat verwandelt, und Referentin Olga muss die Szenen vor ihren vermeintlichen Kolleginnen und Kollegen, sprich, dem Publikum nachstellen – so die Rahmenhandlung des aufklärenden Musikkabaretts.

„Es ist Karneval in Venedig, erotisches Knistern, der rätselhafte Unbekannte neben Ihnen in der Gondel lüftet die Maske, zieht seine Schuhe aus und fotografiert Sie. Wo kommt der Mann her?“, lässt Olga Lomenko das Publikum rätseln und bedient mit unglaublicher Bühnenpräsenz erotische Länderklischees. Selbstironisch und pikant bewegt sie sich dabei stets oberhalb der Gürtellinie: Der spanische Macho der nur allzu gerne im „Hotel Mama“ wohnt, der grübelnde Deutsche, der aus lauter Angst vor einem Korb nicht zur Sache kommt oder der Charme versprühende Franzose, dessen Haut nach „Mon Cherie“ und „Chanell No. 5“ duftet.

Mit rosafarbenem Plüschfächer schmettert Olga Lomenko stimmgewaltig „Granada“ durch den Saal und legt im knallengen Kostüm auf hohen Absätzen mit Wuschelperücke und pompöser Glitzerbrille einen fetzigen Rock’n’Roll aufs Parkett. Einem Wirbelsturm gleich, reißt sie das Publikum mit, singt mal temperamentvoll, mal liebevoll zugeneigt, nicht nur in allen gängigen Fremdsprachen, sondern auch Russisch, Arabisch und Japanisch, und bestätigt einmal mehr ihre eigene Aussage, sie habe erst singen und dann sprechen gelernt.

Immer wieder zieht Dimitrij Sacharow passende Accessoires aus seinen drei mitgebrachten Reisekoffern, sorgt mit orientalischem Schleier, duftenden Räucherstäbchen und Folien auf dem Overheadprojektor für amüsante Unterstreichung der Klischees. Unter seiner musikalischen Begleitung auf dem Flügel, räkelt sich Olga Lomenko ohne Rock und Bluse lasziv auf dem Stuhl, haucht das Lied „Etienne“ und demonstriert die Liebesgewohnheiten der Welt von romantisch bis leidenschaftlich fauchend.

Immer mit einbezogen das begeisterte Publikum, das an den Händen gefasst nach Reiki-Manier Energie auflädt und tosenden Beifall spendet, als das Kabarett-Duo zwei willkürlich ausgewählte Zuschauer bühnenreif „verheiratet“. Wunderkerzen, Konfettiregen, Reispäckchen fliegen, Sektkorken knallen und schießen die Stimmungsrakete in den Zenit. Bei einer letzten Zugabe schnippt das entflammte Publikum den Takt mit den Fingern mit, während Olga Lomenko noch einmal stimmgewaltig „Fever“ singt.

Carmen TV bei “Summer Ballet Seasons” in Moskau

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September 10, 2010  |  Start_News, blog  |  Kommentare deaktiviert

Im Rahmen des jährlichen Festivals „Summer Ballet Seasons“ zeigte die ukrainische Kompanie „Kiev Modern Ballet“ von Radu Poklitaru einen ihrer größten Hits: das zweiteilige Tanzdrama „Carmen TV“.
„Summer Ballet Seasons“ wurden zum ersten Mal im Juli und August 2001 veranstaltet. Das Festivalkonzept, das ausschließlich das russische klassische Ballett beinhaltete, richtete sich vor allem an ausländische Touristen, die Moskau im Sommer während der Theaterferien besuchen. Entsprechend wurde der Aufführungsort gewählt: Das Russische Akademische Jugendtheater befindet sich im historischen Zentrum Moskaus, in unmittelbarer Nähe zum weltbekannten Bolschoi-Theater und gegenüber dem Kreml und dem Roten Platz. Zur großen Überraschung der Organisatoren stießen die „Ballettsaisons“ auch beim russischen Publikum auf großes Interesse. Das diesjährige Programm, das sonst von freien Moskauer Kompanien mit klassischem Repertoire bestritten wird, ließ mit zwei Inszenierungen des jungen Choreographen Radu Poklitaru neue Interpretationen zu.

Hoffnungsträger russischer Choreographie

In Moskau hörte man vom Absolventen der Permer Balletthochschule 2001, als er im Moskauer Internationalen Ballettwettbewerb für die beste Choreographie ausgezeichnet wurde. Damals, nach vielen mageren Jahren, war Poklitaru nicht nur der beste, sondern der einzige Choreograph im postsowjetischen Raum, an dessen Namen man große Hoffnungen knüpfte. Mit solchem Rückenwind konnte er richtig loslegen: Bereits zwei Jahre später inszenierte er zusammen mit dem britischen Regisseur Declan Donnellan seine Version von „Romeo und Juliet“ im Bolschoi-Theater. Die Inszenierung wurde gleichermaßen verdammt und bejubelt, sowohl in Moskau als auch beim Gastspiel in London. Auf die Skandalaufführung, die den Bekanntheitsgrad des jungen Choreographen deutlich steigerte, folgten zahlreiche Angebote, unter anderem das vom ukrainischen Mäzen Wladimir Filippow. Von ihm erhielt Poklitaru Carte blanche zur Gründung eigener Kompanie „Kiev Modern Ballet“. Das in Moskau gezeigte „Carmen TV“ war ihre Eröffnungsinszenierung, die in der Ukraine mit allen wichtigen Theaterpreisen ausgezeichnet wurde.

Fernsehgerechte Vereinfachung

Von der klassischen Interpretation der Novelle des französischen Schriftstellers Prosper Mérimée und der darauf basierenden Oper blieb bei Radu Poklitaru kaum etwas übrig. Lediglich das Potpourri berühmter Arien aus der Oper „Carmen“ von Georges Bizet bildet die musikalische Grundlage seiner Inszenierung. Zur Hauptfigur macht er die Bäuerin Micaëla, die bei ihm zu einer träumenden Blondine wird, die wie gebannt eine Fernsehserie verfolgt (daher auch das „TV“ im Titel). Nach TV-Regeln vereinfacht der Choreograph sowohl den Inhalt als auch die handelnden Personen. Seine Carmen ist ein ziemlich primitives, lüsternes Frauenzimmer, das sich mal mit Don José, mal mit Escamillo vergnügt, während die fromme und einfältige Micaëla, die von José verlassen wurde, vor dem Fernsehen leidet und hofft, dass der Geliebte zu ihr zurückkehrt. Vom Inhalt der Serie mitgerissen, greift sie immer wieder in das Geschehen auf der Bühne ein. Mit ihrer Hand bringt José schließlich Carmen um. Das tragische Finale der Novelle verwandelt Poklitaru in die lebensbejahende Fernseh-Gerechtigkeit: Statt verhaftet zu werden, kehrt Don José zu Micaëla zurück.

Karikaturen von romantischen Helden

Radu Poklitaru karikiert seine Bühnengestalten zu grotesken Masken. Er ist weder banal, noch billig, will aber eine attraktive und allgemeinverständliche Show liefern, was ihn bekannte Klischees üblicher Inszenierungen ironisieren lässt. So wird der ausdrucksvolle Auftritt Carmens zur berühmten Habanera zum hilflosen Zappeln eines Flittchens. Und mit dem Auftrittslied des Stierkämpfers erscheint auf der Bühne ein umwerfend schöner und hoffnungslos dummer Athlet, bei dessen Anblick alle Frauen umfallen.

Freiheit des Kopierens

Dennoch bleiben bei der Inszenierung manche Fragen offen. Der Tod Escamillos und die Rolle des Fernsehens im ganzen Geschehen wurden nicht ausreichend thematisiert und interpretiert. Ohne diese Lücken wäre das Ballett deutlich stärker geworden. Problematisch erwies sich auch die von Poklitaru proklamierte Freiheit, „mit vielen Stilen zu operieren“ – als Antwort auf nicht seltene Vorwürfe, er gäbe bei ihm zu viele Entlehnungen aus Arbeiten europäischer Starchoreographen. In „Carmen TV“ führte ihn diese Freiheit stellenweise zu einer fast peinlichen Ähnlichkeit mit der Carmen von Mats Ek. Aber während der Sommerferien will man ja nicht so streng sein.

Quelle: Globe-M., Victoria Belikova